Energiemarkt-Bericht

KW
11/2026

Der Preis des Krieges

Der Krieg im Nahen Osten dauert inzwischen elf Tage. Und schon jetzt zeigt sich ein Muster, das man aus früheren Krisen kennt: Die erste Schockwelle an den Energiemärkten scheint vorerst abgeebbt – zumindest wirkt es so am frühen Dienstagmorgen. Nach dem rasanten Preisanstieg der vergangenen Tage geben die Notierungen wieder nach. Ob das bereits echte Entspannung oder nur eine kurze Atempause ist, bleibt allerdings offen.

Am Ölmarkt ließ sich diese Dynamik gut beobachten. Brent sprang zu Beginn der Woche zeitweise bis auf knapp 120 US-Dollar je Barrel – der höchste Stand seit Sommer 2022. Ein klassischer Risikoaufschlag der Märkte, wenn militärische Konflikte eine der wichtigsten Energiedrehscheiben der Welt erfassen.

Doch ebenso schnell kam die Gegenbewegung. Bereits am Montag setzte eine Korrektur ein, die sich nach Äußerungen von US-Präsident Donald Trump beschleunigte. Er stellte ein rasches Ende des Krieges in Aussicht. Am Dienstagmorgen notierte Brent mit Lieferung im Mai bei rund 93 Dollar je Barrel – knapp sechs Prozent unter dem Vortag. Entwarnung ist das allerdings nicht: Im Vergleich zur Zeit vor Kriegsbeginn im Iran Ende Februar liegt der Preis weiterhin rund 30 Prozent höher.

Während politische Signale kurzfristig für Entspannung sorgen können, wirkt sich der Krieg zunehmend auf die reale Energieinfrastruktur aus. Angriffe auf die Raffinerie von Ra’s Tanura in Saudi-Arabien, ein Öllager bei Teheran sowie auf die wichtige Raffinerie in Bahrain zeigen, dass der Konflikt längst die energetische Lebensader der Region erreicht hat.

Noch gravierender ist die Lage rund um die Straße von Hormus. Der Transport von Energierohstoffen durch die strategisch wichtigste Meerenge der Welt ist faktisch zum Erliegen gekommen. Für Europa liegt das Problem weniger beim Rohöl selbst – sondern vor allem bei den daraus hergestellten Produkten.

Der eigentliche Engpass liegt derzeit bei Mitteldestillaten. Diesel und Flugtreibstoff aus den großen Raffinerien des Nahen Ostens fallen weitgehend aus. Genau diese Anlagen hatten zuletzt unter anderem Flughäfen wie London Heathrow oder Amsterdam mit Kerosin versorgt. Europa ist bei diesen Produkten deutlich importabhängiger als beim Rohöl selbst.

Hinzu kommt der Gasmarkt. Rund 20 Prozent des weltweiten LNG stammen aus Katar – also aus genau jener Region, die derzeit unter militärischem Druck steht. Sollte der Transport dauerhaft beeinträchtigt bleiben, würden dem Markt rund 100 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas fehlen – Mengen, die sich kurzfristig kaum ersetzen lassen.

Für Europa kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Gasspeicher sind derzeit nur zu etwas mehr als 20 Prozent gefüllt – ein ungewöhnlich niedriger Wert für diese Jahreszeit. Entsprechend steigt das Risiko für die kommende Wintersaison. Viele Marktteilnehmer haben derzeit wenig Anreiz, sich mit teurem „Sommergas“ einzudecken und damit hohe Preise für den Winter vorzufinanzieren. Die Folge: Die Speicher könnten ungewöhnlich leer in den nächsten Winter gehen – mit entsprechendem Stresspotenzial für den Markt.

Fazit
Zwar hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, der Krieg sei „so gut wie beendet“. Konkreter wurde er allerdings – wenig überraschend – nicht. Was genau das bedeutet und wann eine tatsächliche Deeskalation erfolgen soll, bleibt offen. Die Märkte haben diese Aussage dennoch dankbar aufgenommen und einen Teil des Risikoaufschlags wieder ausgepreist.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen weiteren Wochenverlauf mit möglichst planbaren Rahmenbedingungen – und geopolitischen Entwicklungen, die zumindest nicht weiter eskalieren.

Beste Grüße
Patrick Bessero

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Strom – Strompreis auf Zwei-Jahres-Hoch

Gestern ist das Frontjahr bei Strom kurzfristig auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren gestiegen und erreichte kurzzeitig ein Preisniveau von mehr als 100,- €/MWh. Das erinnert an die Energiekrise von 2022

Terminmarkt – Strom

Auch am Terminmarkt zeigte sich die angespannte Lage deutlich. Das Frontjahr am deutschen Strommarkt stieg am Montag zeitweise auf deutlich über 100 €/MWh und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Haupttreiber waren die gestiegenen Gaspreise infolge des Iran-Kriegs, auch wenn das Frontjahr aktuell bereits wieder unter 93 €/MWh notiert.

LieferjahrEEX-KursPreisänderung*
Baseload€/MWhVorwocheVormonatVorjahr
202797,72
19,95%gestiegen
16,53%gestiegen
30,96%gestiegen
202876,89
4,93%gestiegen
-0,45%gestiegen
8,02%gestiegen
202971,86
1,24%gestiegen
-0,86%gestiegen
3,40%gestiegen
*Stichtagsbetrachtung Strom/DE/Base 09.03.2026

Spotmarkt – Strom

Der Strom-Spotmarkt hat in der vergangenen Woche kräftig angezogen: Der durchschnittliche Preis lag in der Kalenderwoche bei 113,53 €/MWh und damit rund 40 % über dem Niveau der Vorwoche. Treiber für die Aufschläge war einmal mehr der Iran-Krieg, der die Energiemärkte insgesamt unter Spannung setzte.

Unsere Einschätzung

Die weitere Preisentwicklung bleibt derzeit maßgeblich von der physischen Verfügbarkeit zentraler Energierohstoffe wie Öl und Gas abhängig. Solange die geopolitische Lage im Nahen Osten unklar bleibt, sind belastbare Prognosen nur eingeschränkt möglich. Aus heutiger Sicht spricht jedoch einiges dafür, dass der Höhepunkt der jüngsten Marktreaktion bereits erreicht sein könnte.

Gas – Preise mit deutlichen Ausschlägen

Die europäischen Gaspreise sind am Dienstagmorgen um mehr als 17 % gefallen, nachdem US-Präsident Donald Trump ein schnelles Ende des Kriegs im Nahen Osten in Aussicht gestellt hatte. Zuvor hatten die ausgesetzten LNG-Exporte aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten durch die Straße von Hormus die Märkte stark unter Druck gesetzt. Über diese Route werden rund 20 % der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert.

Terminmarkt - Gas

Nach dem Höhenflug am gestrigen Montag sind die Preise im Marktgebiet THE wieder gefallen. Das Frontjahr ging gestern noch bei 41,145 €/MWh aus dem Handel, notiert heute jedoch bereits bei rund 37,50 €/MWh. Das entspricht einem Rückgang von etwa 9 %.

LieferjahrEEX-KursPreisänderung*
Baseload€/MWhVorwocheVormonatVorjahr
202741,15
33,33%gestiegen
43,75%gestiegen
35,89%gestiegen
202828,63
13,55%gestiegen
14,85%gestiegen
3,76%gestiegen
202924,59
5,87%gestiegen
3,85%gestiegen
-6,36%gestiegen
*Stichtagsbetrachtung Gas/THE 09.03.2026

Spotmarkt - Gas

Der Gas-Spotmarkt hat in der vergangenen Woche ebenfalls deutlich angezogen. Der durchschnittliche Preis lag in der Kalenderwoche 10 bei 49,83 €/MWh und damit rund 17 % über dem Niveau der Vorwoche. Haupttreiber war die gestiegene geopolitische Unsicherheit infolge des Iran-Kriegs, die die kurzfristigen Gaspreise deutlich nach oben bewegte.

Unsere Einschätzung

Die kurzfristige Preisbildung bleibt stark von der Entwicklung im Iran abhängig und ist derzeit nur schwer einzuschätzen. Selbst bei einem kurzfristigen Ende der Feindseligkeiten dürfte eine Rückkehr zur Normalität nicht sofort erfolgen, da beschädigte Infrastruktur und unterbrochene Lieferketten Zeit benötigen, um wieder anzulaufen. Zudem ist davon auszugehen, dass Tankertransite zunächst nur schrittweise wieder aufgenommen werden, sobald Betreiber ausreichende Sicherheit haben, dass Angriffe tatsächlich eingestellt werden.

Entwicklung Energiemärkte im Überblick

Gas

Strom

Gasspeicherstand

Aktuell
21%
52,055 TWhGasspeicherstand
zum 10.03.2026
80%
50%
30%
Zielvorgabe für alle Anlagen:
01.11.: 80%, 01.02.: 30%

Öl

Kohle

CO2-Preis

Hinweis: Der Energiemarktbericht dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Beratung noch ein Angebot zum Kauf von Energie dar. Wir empfehlen eine individuelle, auf Ihr Verbrauchsverhalten bezogene Beratung durch Ihren Ansprechpartner.

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