KW
04/2026
Der Energiemarkt hat sich in der vergangenen Woche aus einer Phase schrittweise sinkender Notierungen abrupt verabschiedet. Nach einem zunächst ruhigen Jahresauftakt, der vielerorts bereits als Zeichen einer nachhaltigen Entspannung interpretiert wurde, kehrte zum Ende der Woche spürbare Nervosität zurück. Es wurde deutlich, wie schnell sich die Stimmung drehen kann, wenn politische Unsicherheit wieder an Bedeutung gewinnt und vermeintliche Gewissheiten infrage gestellt werden.
Ein Blick auf den LNG-Markt verdeutlicht diese Dynamik. Europas LNG-Importe legten in der vergangenen Woche spürbar zu und sorgten zunächst für Entlastung. Gleichzeitig deuten vorläufige Schätzungen für die laufende Woche bereits wieder auf rückläufige Ankünfte hin. Dieses Wechselspiel ist weniger Ausdruck einer strukturellen Knappheit als vielmehr ein Symptom eines Marktes, der erneut auf externe Impulse reagiert und dabei immer weniger Puffer besitzt.
Der eigentliche Spannungsbogen liegt jedoch jenseits der reinen Energiemengen. Marktteilnehmer befassen sich verstärkt mit den handelspolitischen Drohungen aus Washington. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, Zölle von zunächst 10 Prozent auf Waren aus mehreren europäischen Ländern zu erheben, mit der Aussicht auf eine deutliche Ausweitung ab dem Sommer. Unabhängig davon, ob Energieprodukte kurzfristig betroffen sind, stellt sich eine grundlegendere Frage: Wie belastbar ist die transatlantische Partnerschaft in einer Phase zunehmender geopolitischer Konfrontation?
Diese Frage reicht weit über den Energiemarkt hinaus. Sie betrifft Handelsbeziehungen, wirtschaftspolitische Verlässlichkeit und das strategische Verhältnis zwischen Europa und den USA insgesamt. Für Europa bedeutet dies, dass politische Risiken nicht länger als externe Störgröße betrachtet werden können, sondern zunehmend den Rahmen für wirtschaftliche Entscheidungen setzen. Der Energiemarkt fungiert dabei weniger als Treiber, sondern als sensibler Indikator für Spannungen, die andernorts entstehen.
Fazit
Politische Verlässlichkeit bleibt die zentrale Unbekannte – und aus meiner Sicht liegt das weniger an der Stärke der USA als an der anhaltenden Unsicherheit Europas – sowie an der Offenheit, mit der politische Macht derzeit eingesetzt wird. Donald Trump ist nicht unverwundbar; seine Durchsetzungskraft speist sich vor allem aus der Angst und der Zurückhaltung seiner Gegenspieler. Genau hier droht Europa erneut in eine abwartende Selbstblockade zu geraten: Viel Rhetorik über mögliche Konsequenzen, wenig sichtbare Bereitschaft, diese auch politisch zu unterlegen. Wenn sich daran nichts ändert, wird der Markt Unsicherheit weiter einpreisen. Entscheidend wird sein, ob es in Davos gelingt, politische Verlässlichkeit wieder greifbar zu machen – sowohl durch eine klarere europäische Haltung als auch durch die Frage, welchen Ton die USA und Donald Trump gegenüber Europa anschlagen werden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine Woche, in der Dialog und Haltung wieder mehr Orientierung bieten als Drohkulissen.
Beste Grüße
Patrick Bessero
Nach den deutlichen Kursgewinnen der Vorwoche geriet der Strommarkt zu Wochenbeginn erneut unter Druck. Belastend wirkten mildere Temperaturprognosen sowie die Verunsicherung an den Finanzmärkten infolge der handelspolitischen Drohungen aus den USA. Zusätzlich verstärkten sinkende Preise bei Erdgas und CO₂-Zertifikaten den Abwärtsimpuls.
Am Strom-Terminmarkt zeigte das Frontjahr 2027 in der vergangenen Woche eine ausgeprägte Aufwärtsbewegung. Die Notierungen stiegen im Wochenverlauf von 84,85 €/MWh zu Wochenbeginn auf 87,18 €/MWh zum Wochenschluss. Zum gestrigen Wochenauftakt setzte jedoch eine Gegenbewegung, ein der Schlusskurs für das Cal 27 lag gestern bei 85,57 €/MWh.
| Lieferjahr | EEX-Kurs | Preisänderung* | ||
|---|---|---|---|---|
| Baseload | €/MWh | Vorwoche | Vormonat | Vorjahr |
| 2027 | 87,18 | 3,76% | 6,28% | 5,72% |
| 2028 | 81,57 | 2,09% | 3,36% | 10,41% |
| 2029 | 77,09 | 0,39% | 1,74% | 12,33% |
| *Stichtagsbetrachtung Strom/DE/Base 16.01.2026 | ||||
Am Strom-Spotmarkt zeigte sich in der vergangenen Woche ein insgesamt volatiles, aber erhöhtes Preisniveau. Im Wochenverlauf kam es insbesondere zur Wochenmitte zu deutlichen Ausschlägen nach oben, bevor die Notierungen zum Wochenende hin wieder etwas nachgaben. Die Preisschwankungen spiegeln vor allem die wechselhafte Einspeisung erneuerbarer Energien, sowie den witterungsbedingt variierenden Lastverlauf, wider.
Unsere Einschätzung
Eine belastbare Prognose lässt sich derzeit kaum ableiten. Zwar bleibt das Wetter weiterhin der zentrale kurzfristige Preistreiber, gleichzeitig richtet sich der Blick der Marktteilnehmer zunehmend auf die politischen Signale aus den USA und die Aussagen von Donald Trump. Solange keine relevanten Angebotsstörungen auftreten, ist von einer überwiegend seitwärts gerichteten Entwicklung mit leichten Ausschlägen auszugehen.
Am Gasmarkt rückt die Winterperiode 2026/2027 zunehmend in den Fokus. Der schwache Anreiz zur sommerlichen Einspeicherung verlagert das Risiko vom Sommer in den Winter, zumal die Speicherstände mit 50,36 % in Europa und 42,79 % in Deutschland bereits unterdurchschnittlich sind.
Aufwärtsbewegung. Die Notierungen schwankten zunächst seitwärts, zogen zum Wochenschluss jedoch an und stiegen von 26,88 €/MWh zu Wochenbeginn auf 27,78 €/MWh am Freitag. Damit blieb der Anstieg kontrolliert, signalisiert aber eine erhöhte Sensibilität gegenüber kurzfristigen Impulsen.
| Lieferjahr | EEX-Kurs | Preisänderung* | ||
|---|---|---|---|---|
| Baseload | €/MWh | Vorwoche | Vormonat | Vorjahr |
| 2027 | 27,78 | 4,48% | 6,09% | -15,58% |
| 2028 | 25,41 | 0,81% | 1,89% | -9,45% |
| 2029 | 24,09 | -0,17% | 1,21% | -7,33% |
| *Stichtagsbetrachtung Gas/THE 16.01.2026 | ||||
Am Gas-Spotmarkt im Marktgebiet THE zeigte sich in der vergangenen Woche eine deutliche Aufwärtsbewegung. Die Tagespreise stiegen von rund 32,7 €/MWh zu Wochenbeginn auf ein Hoch von knapp 39,9 €/MWh am Freitag, was die erhöhte kurzfristige Sensitivität des Marktes widerspiegelt. Treiber waren vor allem wetterbedingte Nachfrageimpulse bei gleichzeitig niedrigen Speicherständen.
Unsere Einschätzung
Kurzfristig bleibt der Gasmarkt stark wettergetrieben, während sich der strukturelle Blick zunehmend auf die Winterperiode 2026/2027 richtet. Niedrige Speicherstände und ein schwacher Winter-Sommer-Spread erschweren die Wiederbefüllung. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die handelspolitischen Signale aus den USA, da Aussagen von Donald Trump auch die Risikoprämien am Gasmarkt – kurzfristig verstärken können.

Hinweis: Der Energiemarktbericht dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Beratung noch ein Angebot zum Kauf von Energie dar. Wir empfehlen eine individuelle, auf Ihr Verbrauchsverhalten bezogene Beratung durch Ihren Ansprechpartner.