Energiemarkt-Bericht

KW
06/2026

Winterdruck und El Niño

Der Energiemarkt bleibt fundamental angespannt – nicht wegen eines einzelnen Störfaktors, sondern weil sich mehrere Belastungslinien überlagern: winterliche Witterung in Europa, arktische Kaltfronten in den USA mit Freeze-offs und – als mittelfristige Zugabe – El Niño als potenzieller Preistreiber für den Sommer 2026.

Kurzfristig dominieren Wetter und Physik: In den USA führen arktische Kälteeinbrüche zu Freeze-offs, also Angebotsausfällen durch eingefrorene Infrastruktur. In Europa treiben niedrige Temperaturen die Nachfrage. Die Ausspeicherungsraten bleiben hoch. Der Markt bleibt damit im Risikomodus: Versorgungssicherheit dominiert, und jede Wetteränderung wird sofort eingepreist.

Während der Winter noch nicht abgeschlossen ist, schaut der Markt bereits auf das nächste Risiko: El Niño. Klimamodelle des ECMWF deuten mit hoher Konfidenz auf eine Rückkehr ab Mai 2026 hin. Das wäre nicht nur ein Wetterthema, sondern ein klassischer Preistreiber – vor allem über eine steigende asiatische LNG-Nachfrage (Kühlbedarf in Südostasien). Für Europa kommt das zur Unzeit: Der deutsche Gasspeicherfüllstand liegt aktuell nur noch bei 31,97%. Damit wird die Einspeicherung für den kommenden Winter zum Engpassfaktor – und zwar nicht im Oktober, sondern schon im Sommer. Denn wenn Europa in einem heißen Sommer gegen Asien um LNG konkurriert, wird es erfahrungsgemäß weder günstig noch entspannt.

Der Januar hat außerdem gezeigt, wie schnell aus „Markt“ wieder „Nervensystem“ wird. Öl stieg um über 15 Prozent, Gas sprang massiv (TTF Frontmonat +42%, US-Pendant zeitweise +80%), während EUAs ausgerechnet um 7 Prozent nachgaben. Gold und Silber lieferten innerhalb von 24 Stunden erst Euphorie – und dann den größten Einbruch seit Jahrzehnten. Auslöser war weniger Fundamentales als Finanzmarktlogik: die Nominierung von Kevin Warsh als neuer Fed-Chef und die sofortige Erzählung, damit sei das Vertrauen in Dollar und Notenbankunabhängigkeit wieder hergestellt. Die Folge: Rohstoffe und EUAs wurden aus ihrer bisherigen Preisverankerung gerissen – und diese Verunsicherung dürfte die kommenden Wochen weiter prägen.

Die Turbulenzen sind das Produkt geopolitischer Störgeräusche (u.a. Venezuela, Grönland, Iran) plus Wetterextreme. Geopolitisch könnte es perspektivisch etwas ruhiger werden, da sich der US-Präsident mit Blick auf die Zwischenwahlen im November stärker innenpolitisch fokussieren dürfte. Gleichzeitig wirkt der EU-Beschluss zum endgültigen Ausstieg aus russischem Erdgas nur auf den ersten Blick kompromisslos: Laut Reuters plant die EU-Kommission, wichtige Lieferanten wie USA, Norwegen, Katar, Großbritannien, Algerien und Nigeria von Vorabkontrollen für Einfuhren russischen Pipeline-Gases ab Herbst 2027 auszunehmen.

Für diese Woche bleiben wir angesichts der hohen Verunsicherung kurzfristig neutral für EUAs, Gas, Strom und Öl. Diese Einschätzung ist vorübergehend: Zwar steht die künftige LNG-Ausweitung grundsätzlich nicht infrage, doch die Risiken am Gasmarkt nehmen sichtbar zu. Kpler meldet, dass Chinas LNG-Importe im Januar gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent gestiegen sind (dritter Anstieg in Folge). Und von den übrigen fossilen Energieträgern ist unverändert keine Entlastung zu erwarten. Der Energiemarkt bleibt damit angespannt – nur verschiebt sich der Stress zunehmend vom Winter in den Sommer.

Zu guter Letzt wünsche ich Ihnen eine Woche mit klaren Entscheidungen – bei möglichst ruhigem Umfeld auf der Wetterfront, geopolitisch und an den Finanzmärkten.

Beste Grüße
Patrick Bessero

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Strom – Staat kauft Netz

Der Bund steigt mit 25,1% beim Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany ein und zahlt dafür 3,3 Mrd. Euro, indem er dem niederländischen Staat entsprechende Anteile abkauft. Weitere finanzielle Verpflichtungen sind absehbar, da der Bund seinen Anteil auch bei künftigen Kapitalerhöhungen halten will – im Haushalt sind dafür bis 2035 1,7 Mrd. Euro sowie danach weitere 5,7 Mrd. Euro eingeplant. Hintergrund ist der enorme Investitionsbedarf beim Netzausbau.

Terminmarkt – Strom

Der Strom-Terminmarkt startete schwach in die Woche: Der Cal-27 fiel zum Wochenauftakt auf den tiefsten Stand seit drei Wochen und schloss bei 84,00 €/MWh (Tagestief 83,30 €/MWh, niedrigster Stand seit dem 09. Januar). Belastend wirkten vor allem sinkende Gaspreise, da die Risiken einer länger anhaltenden Kälteperiode zum Winterende nachließen. Zusätzlich sorgten rückläufige CO₂-Preise für weiteren Abwärtsdruck.

LieferjahrEEX-KursPreisänderung*
Baseload€/MWhVorwocheVormonatVorjahr
202784,00
-1,28%gestiegen
0,18%gestiegen
0,27%gestiegen
202877,88
-1,99%gestiegen
-2,67%gestiegen
3,22%gestiegen
202973,80
-1,15%gestiegen
-2,92%gestiegen
6,19%gestiegen
*Stichtagsbetrachtung Strom/DE/Base 02.02.2026

Spotmarkt – Strom

Der durchschnittliche Spotpreis lag in KW 5 bei 141,31 €/MWh und damit leicht über der Vorwoche (139,99 €/MWh). Die Volatilität bleibt dabei weiterhin hoch. Im Januar lag der Durchschnitt bei 110,09 €/MWh. Einzelne Preisspitzen waren bereits im Januar sichtbar (Max Tag: 267,74 €/MWh).

Unsere Einschätzung

Wir erwarten kurzfristig eine Stabilisierung der CO₂-Preise, wodurch der jüngste Abwärtsdruck nachlassen dürfte. Entsprechend gehen wir beim Strom-Terminmarkt vorerst von einer Seitwärtsbewegung aus – wie im Hauptteil beschrieben.

Gas – Versorgung gesichert?

Obwohl einige Gasspeicher ihre Zielmarken von 30% bzw. 40% verfehlt haben, sieht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) die Gasversorgung in diesem Winter als gesichert an. Gegenüber Montel verwies das Ministerium gestern darauf, dass – anders als in den Vorjahren – auch schwimmende Flüssiggasterminals zur Versorgung zur Verfügung stünden. Marktteilnehmer hatten zuletzt hingegen gewarnt, dass die schnell sinkenden Speicherstände die Gaspreise zum Winterende nochmals deutlich nach oben treiben könnten.

Terminmarkt - Gas

Der Gas-Terminmarkt legte zunächst zu und stieg von 27,704 €/MWh (26.01.) bis auf 29,495 €/MWh (30.01.), gab zum Wochenauftakt jedoch wieder nach (28,324 €/MWh am 02.02.). Insgesamt bleibt das Bild volatil, aber ohne nachhaltigen Aufwärtstrend. Eine mögliche Entspannung in der Causa Iran sowie nachlassende Winterrisiken dürften die Risikoaufschläge zuletzt etwas gedämpft haben.

LieferjahrEEX-KursPreisänderung*
Baseload€/MWhVorwocheVormonatVorjahr
202728,32
2,24%gestiegen
2,49%gestiegen
-14,32%gestiegen
202825,16
0,36%gestiegen
-3,42%gestiegen
-9,79%gestiegen
202923,93
-0,05%gestiegen
-2,33%gestiegen
-6,83%gestiegen
*Stichtagsbetrachtung Gas/THE 02.02.2026

Spotmarkt - Gas

Der durchschnittliche Gas-Spotpreis (THE DA) lag in der KW 5 bei 41,62 €/MWh und damit etwas über der Vorwoche (40,76 €/MWh). Im Januar lag der Durchschnittspreis bei 36,51 €/MWh und damit 4,25% über dem Jahresmittelwert von 2025 (35,02 €/MWh).

Unsere Einschätzung

Unsere Einschätzung bleibt neutral: Sinkende Gasspeicher wirken zwar weiter preistreibend, gleichzeitig nehmen die Risikoprämien ab, sobald sich eine mögliche Entspannung hinsichtlich des Irans abzeichnet. In Summe halten sich beide Effekte derzeit (noch) die Waage.

Entwicklung Energiemärkte im Überblick

Gas

Strom

Gasspeicherstand

Aktuell
32%
78,448 TWhGasspeicherstand
zum 03.02.2026
80%
50%
30%
Zielvorgabe für alle Anlagen:
01.11.: 80%, 01.02.: 30%

Öl

Kohle

CO2-Preis

Hinweis: Der Energiemarktbericht dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Beratung noch ein Angebot zum Kauf von Energie dar. Wir empfehlen eine individuelle, auf Ihr Verbrauchsverhalten bezogene Beratung durch Ihren Ansprechpartner.

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